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Podcast-Aufnahme: Nicht im Studio und trotzdem klingt’s perfekt?

Für viele Podcaster*innen ist das Alltag: Bei der Podcast-Aufzeichnung sitzt Ihr nicht gemeinsam im Studio. Sei es, weil Ihr sowieso in unterschiedlichen Städten wohnt oder weil man es gerade nicht schafft, sich physisch zu treffen. Bei einer Aufzeichnung unseres FLURFUNK-Podcasts war genau das der Fall. Wie man trotzdem eine gute Aufzeichnungs-Qualität und zusätzlich sogar ein Telefon-Interview in den Podcast bekommt, erfahrt Ihr im Artikel.

von Lucas Görlach

Die Hardware – ums Technik-Mitschleppen kommt man nicht herum

Natürlich kann man sich auch mit den eingebauten Mikrofonen eines iPhones aufzeichnen. Unter bestimmten Umständen klingt das gar nicht schlecht und hat mir schon oft Interviews ermöglicht, die ich sonst nicht hätte führen können, da ich kein Aufnahmegerät oder ein externes Mikrofon zur Hand hatte. Für eine ganze Podcast-Episode ist das Smartphone jedoch eher nicht das richtige Werkzeug. Für mobile „Studio“-Aufnahmen schleppe ich also trotzdem immer einen ganz schönen Batzen Technik mit mir herum. Ich finde, das lohnt sich.

Ich verwende die Standard-Kombination aus Laptop, Audio-Interface und Headset. Als Audio-Interface nutze ich das Zoom U-24. Es ist ein (mittlerweile) sehr günstiges, leichtes und vielseitig einsetzbares USB-Interface, das – im Batteriebetrieb – sogar mit Tablets und Handys betrieben werden kann (für diesen Artikel gab’s übrigens kein Geld, ich empfehle hier tatsächlich die Tools, die ich alltäglich verwende). Die Bedienung ist nach kurzer Eingewöhnungs-Zeit relativ gut verständlich. Alles in allem kann man das U-24 als kleines Mischpult verwenden. Bisher habe ich es ausschließlich am Mac getestet, kann also zum Windows-Betrieb nichts sagen.

Vor einigen Monaten sind wir bei EinfachTon auf neue Headsets umgestiegen. Die beyerdynamic DT-797 PV bieten aus unserer Sicht einen tollen Klang und eignen sich zudem noch als hochwertige Kopfhörer für den Schnitt. Dem einen oder der anderen könnte der Anpress-Druck allerdings ein wenig zu hoch sein.

Mit diesem Hardware-Setup, das sowohl ich, als auch mein Podcast-Partner Peter Stawowy verwenden, sind wir auf der sicheren Seite. Achten müsst Ihr an dieser Stelle nur noch auf den Raum, in dem Ihr aufnehmt. Zu groß und zu hallig ist nie gut (es sei denn, man möchte auch so klingen). Ein Vorteil: Sitzt Ihr an getrennten Orten, nehmen sich die Mikrofone nicht gegenseitig auf, weshalb sowieso schon weniger Raum in der Aufnahme zu hören ist. Da Podcaster*innen meist Profis im Aufnahmeräume-Improvisieren sind, mache ich mir nur wenige Sorgen darum, ob Ihr einen geeigneten Raum findet und sei es der gute alte Kleiderschrank. Bleibt also nur noch zu klären, wie man all die Aufnahmen organisiert, sich zusammenschaltet und am Ende sogar noch eine*n Interviewpartner*in per Telefon zugeschaltet bekommt.

Die Software – ein Mischpult ohne Mischpult

An dieser Stelle kommt gleich die große Enttäuschung für alle Windows-Nutzer*innen unter Euch: Im folgenden Absatz geht es um ein Programm, das es nur für Mac gibt. Leider ist mir auch keines mit annähernd großem Funktionsumfang in dieser Preisklasse für Windows bekannt. Wenn Ihr eins kennt, schreibt mir gern bei Twitter oder per Mail, dann ergänze ich den Tipp im Artikel.

Zur mobilen Aufnahme verwenden wir die Software Audio Hijack. Für knapp 60 Dollar bietet sie die Möglichkeit, verschiedene Audio-Signale darzustellen und mehrere Spuren aufzuzeichnen sowie – im Prinzip – ein ganzes Mischpult visuell nachzubauen.

Veranschaulichung eines Einfachen Setups
Ein ganz einfaches Setup in Audio Hijack, mit dem man das eingebaute Mikrofon aufnimmt und sich selbst über die Kopfhörer hört (in diesem Fall mit Verzögerung)

Der Clou dabei: Es können nicht nur Mikrofone aufgezeichnet werden, sondern auch einzelne Programme oder das gesamte System-Audio des Macs. Für unsere Aufzeichnung im FLURFUNK-Podcast inklusive Telefon-Interview habe ich mit ein paar „Tricks“ (kann man das so nennen?) gearbeitet. Damit sowohl Peter und ich uns gegenseitig hören, als auch jeder mit unserem Interviewpartner sprechen konnte, obwohl wir alle ca. 300 Kilometer auseinander saßen. Wie genau das funktioniert hat, habe ich im Bild erläutert.

Schematische Darstellung der Aufnahmesituation
Ausführliche Erklärung zum Aufbau der Aufnahme

Einziger Wermutstropfen: Der Interviewpartner hört sich selbst. Glücklicherweise führte das bei unserem Interview aber nicht zu Irritationen. Ich habe das Schema vor dem Interview-Termin innerhalb von 10 Minuten zusammengeschustert, weswegen mir dieser Fehler unterlaufen ist. Dieses leicht angepasste Schema sollte das Problem beheben.

So sollte es funktionieren, ohne, dass der*die Gesprächspartner*in sich selbst hört

Mit dem Programm-Aufbau war es möglich, im Prinzip alle für den Podcast wichtigen Spuren auf meinem Laptop aufzuzeichnen. Am Ende hatte ich also einen quasi-fertigen Podcast mit folgenden Spuren: 1) Ich selbst als direkte Aufnahme vom Mikrofon 2) Peter als Aufnahme über StudioLink 3) Interviewpartner als Telefon-Mitschnitt via Skype. Dieses Setting hat jedoch eine große Schwäche: Ohne wirklich gute Internetverbindung geht’s nicht. Und genau das war unser Problem. Dank schlechtem Dorf-Internet gab es sowohl auf Peters Spur Aussetzer, als auch beim Telefonat. Glücklicherweise kam inhaltlich alles rüber, sodass wir normal miteinander kommunizieren konnten. Ein Hörgenuss war das jedoch nicht (darüber habe ich mich in diesem Thread schon aufgeregt). Warum hört es sich im fertigen Podcast trotzdem super und störungsfrei an? Hier kommt der wichtigste Tipp dieses Artikels.

Jeder schneidet sich mit – IMMER eine gute Idee!

Wenn jede*r sich selbst mit seinem*ihrem Gerät aufzeichnet, muss man sich am Ende nur noch die Spuren zuschicken oder in eine Cloud hochladen und sie zusammenschneiden (ein gemeinsames Schnittkommando, wie Klatschen, hilft beim Synchronisieren). Also konnte ich die Mikrofon-Aufnahmen zusammenschneiden, die Peter und ich jeweils von uns selbst aufgenommen hatten. Das alles absolut störungsfrei, da quasi keine Leitung (mehr) dazwischen war. Das Gleiche galt auch für unseren Interviewpartner. Telefoniert haben wir über’s Festnetz. Sich selbst hat er mit der Diktierfunktion seines Handys aufgenommen.

Das ist übrigens bei allen Interviewpartner*innen einen gute Idee. Egal, ob bei Telefon-/Skype-Interviews für Podcasts oder für’s Radio bitte ich sie, sich selbst mit einem neueren Smartphone (am besten mit einem – sorry – iPhone) mitzuschneiden und mir die Aufnahme nach dem Interview zuzuschicken. Das klingt meistens ziemlich okay, in 99% der Fälle (gefühlter Wert) besser als über Telefonleitung.

Die Realität oder „Hallo? Hörst Du mich jetzt?“

Das alles ist – wie Euch sicher schon aufgefallen ist – ziemlich aufwendig und gerade, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es soll, nervenaufreibend. Mein Fazit ist also, dass sich diese Art der Aufnahme als Ausnahme durchaus lohnt. Jedoch ist es nicht wirklich etwas, das ich für jeden Podcast haben möchte. Wenn Ihr nur zu zweit seit und sich jede*r selbst aufnimmt, mag das unproblematisch funktionieren. Kommt aber ein*e Dritte*r dazu, wird es unübersichtlich. Erst recht, wenn sich diese Person nicht auch über StudioLink zuschalten kann. Sowieso gilt für mich: Nichts geht über das Zusammensitzen. Man kann ganz anders miteinander kommunizieren. Hier noch als Beweis, die Podcast-Episode inklusive des Interviews.

Fun-Fact zum Schluss: Das Interview beim SLM-Sommerfest in der Episode wurde spontan mit einem iPhone aufgezeichnet.