Titelbild für Facebook-Live

Podcasts über Facebook Live Audio

Ein mehrfach zusammengebrochener Stream, eine auseinander gehackte Sendung und viel Stress hinter den Kulissen. Damit wäre das Fazit zum Live-Streaming über Facebook zusammengefasst. Das Ganze ist aber etwas komplizierter.

Warum Live Podcasts?

Zuerst jedoch die Frage: Warum sollte man Podcasts überhaupt Live streamen? „Podcast“ bedeutet doch eigentlich Audio-on-Demand. Stimmt. Gegenfrage: Warum nicht trotzdem Live senden? Das ist ‑ ganz klar ‑ nicht für alle Formate möglich. Für besonders anspruchsvoll geschnittene Podcasts fällt ein Livestream ohnehin weg. Aber für technisch weniger aufwendige? Aus diesem Grund haben wir uns bei EinfachTon schon vor 2 Monaten dazu entschieden, das Experiment Live-Podcast einmal anzugehen. Besonders geeignet dafür schien uns unser Filmmagazin zu sein. Die Sendung besteht zu einem großen Teil aus einem oder mehreren Gesprächen mit Einspielern und wenigen Jingles. Alles im Rahmen also. Wir sehen das Livestreaming vor allem als Möglichkeit für Hörerinnen und Hörer, die das wollen, die Sendung eher als zur üblichen Veröffentlichungszeit und direkt im Produktionsprozess zu hören. Sobald das Ganze regelmäßig läuft ‑ das ist das Ziel für’s nächste Jahr ‑  soll auch durch Kommentare Live auf die Sendung Einfluss genommen werden können.  Natürlich muss man dafür einiges an Zusatzarbeit auf sich nehmen. Neben der (einmaligen) technischen Einrichtung, muss auch jedes Element der Sendung, das nicht live entstehen soll, vorproduziert werden. In unserem Fall waren des diverse Einspieler sowie unser Interview und das Hörspiel zu Beginn der Sendung. Nach der Sendung allerdings ergibt sich daraus ein entscheidender Vorteil: Die Arbeit im Schnitt wird minimiert. Wenn alles funktioniert, hat man am Ende die fertige Sendung als einzelne Audio-Datei auf dem Rechner.

Der technische Aufbau

Nun aber zur technischen Seite. Produziert haben wir in unserem EinfachTon Podcast-Büro. Das Setup ist auf dem ersten Bild zu sehen.

Der technische Aufbau im Studio
Der technische Aufbau im Studio

Im folgenden Schema zeigen wir, wie wir uns die Funktionsweise des ganzen Aufbaus vorgestellt haben und wie sie letzten Endes auch (mit Einschränkungen, s.u.) funktioniert hat.

Der technische Aufbau als Skizze
Der technische Aufbau als Skizze

Alles in Allem war das schon gar nicht so schlecht. Die Redaktion konnte sich auf die Sendung konzentrieren, ich konnte die Einspieler fahren, Pegeln und nebenbei noch den Stream überwachen. Bei letzterem fingen die Probleme auch schon an.

Facebook Live-Audio

Mir wäre es lieber gewesen, über einen Computer ‑ am liebsten gleich über den Aufnahme-Rechner ‑ zu streamen. Doch das lässt Facebook leider nicht zu. Computer-Streaming sowie das streamen über eine externe Software (das wäre ideal) ist nur bei Video-Streams möglich. Facebook Live-Audio klappt nur auf Mobilgeräten. Na gut, dachte ich mir, dann machen wir es eben über ein iPad, das ist schließlich ein mobiles Gerät. Pustekuchen! In der Logik von Facebook ist es anscheinend keins, denn auch in der iPad-App ist Audio-Streaming nicht möglich.

Damit aber nicht genug. Hat man die extrem versteckte Streamingfunktion (siehe Bild) für Audio gefunden und den Stream gestartet (so weit so gut), scheint es vom Gerät abhängig zu sein, wie lang der Stream hält.

Screenshot des Facebook-Live Audios in der App
Screenshot des Facebook-Live Audios in der App

Wir starteten den Stream mit einem iPhone 5s mit der aktuellsten Version von iOS 11 und der Facebook-App. Nach ca. 12 Minuten war der Spaß vorbei. Das Handy bootete neu, der Stream brach ab, alle Hörerinnen und Hörer waren weg. Während die Sendung weiterlief machte ich ein zweites Handy bereit. Diesmal ein iPhone 8, ebenfalls mit neuster Software. Das hielt immerhin 35 Minuten bis zum Neustart. Alles also absolut nicht verwendbar in der Praxis. Mit einem externen Streaming-Programm auf einem Computer wäre das (vermutlich) nicht passiert. Und selbst wenn, hätte es die Möglichkeit gegeben, sie über einen Link wieder in den originalen Stream einzuklinken.

Aber auch in der kurzen Zeit, in der der Stream lief und ich ihn (als Hörer) testen konnte, war die Enttäuschung groß. Ich hatte gehofft, man könne der Episode auch mit deaktiviertem Display lauschen. Nix da. Auf Hörerseite ist ein Facebook-Live-Audio genau dasselbe, wie ein Video. Deaktiviere ich das Display oder minimiere die App, ist der Spaß vorbei. Kein Vorteil also, von der geringeren Datenrate mal abgesehen.

Aber schon im Vorfeld war ich nicht begeistert. Den Stream zu planen, sodass sich Interessierte „eintragen“ können und rechtzeitig vor Start erinnert werden, ist (wieder) nur bei Videostream möglich. Mein Fazit fällt also alles in allem negativ aus.

Fazit

Die Audio-Streams bei Facebook bieten keine Vorteile gegenüber den Video-Streams, eher im Gegenteil. Für die nächsten Sendungen überlegen wir, einen externen Streaminganbieter zu nutzen (das würde leider Traffic von der Facebook-Seite nehmen und eine zusätzliche Schwelle für Hörerinnen und Hörer darstellen) oder aber alles über die Videostreamfunktion zu organisieren. Als Bild würde dann einfach das Filmmagazin-Logo erscheinen. Der Nachteil daran wären aber höhere Datenraten für Hörerinnen und Hörer.

Die Audio-Technik hat super funktioniert. Das mit dem Streaming sollte Facebook aber besser nochmal üben.

Episode 33 vom Filmmagazin lief am 22.11., zumindest in Teilen, live auf Facebook. Der Podcasts steht seit dem 26.11. zur Verfügung.

Dieser Artikel ist auch im Podscast-Blog erschienen.